UNIVERM

Es war 1983

Eigentlich sollte es nur meine Diplomarbeit werden. Daraus entstand eine Idee, die mich bis heute nicht losgelassen hat.

Der Zufall half mit

FĂĽr meine Diplomarbeit im Bildungszweig Marketing wollte ich nicht die Vermarktung eines bereits vorhandenen Produktes beschreiben. Mich reizte etwas anderes: eine Idee fĂĽr etwas zu entwickeln, das es so noch nicht gab.

In einem Gespräch erzählte mir mein Onkel, der in einem größeren Unternehmen für Maschinen zuständig war, dass seine Firma eine bestimmte Maschine suchte. Aus finanziellen Gründen wollte man nicht bei einem Händler kaufen, sondern möglichst direkt eine Firma finden, die genau diese Maschine nicht mehr benötigte.

Wie findet eine Firma, die eine bestimmte Maschine braucht, genau die Firma, bei der diese Maschine nicht mehr gebraucht wird?

Damit war die Idee geboren – aber noch musste ich herausfinden, ob es eine solche Lösung vielleicht längst gab.

Fachzeitschriften, Karteikarten, Blau und WeiĂź

An der Universität Rosenheim standen Fachzeitschriften kostenlos zur Verfügung. Ich durchsuchte unter anderem den Maschinenmarkt, den Industrieanzeiger und das Holzzentralblatt. Eine Quelle, die Angebot und konkreten Bedarf so zusammenführte, wie ich es mir vorstellte, fand ich nicht.

Also begann ich, Inserate aus den Fachzeitschriften auf Karteikarten zu übertragen. Doch wie sollte ich sie sortieren, damit sich Gesuche und Verkäufe auch wirklich finden?

Eine Anregung kam aus meiner Bundeswehrzeit: Dort hatte ich gesehen, wie Informationen durch Codierungen systematisch geordnet wurden. Diesen Gedanken ĂĽbertrug ich auf meine Idee. Dazu kamen zwei Farben: Blau und WeiĂź.

Historischer Nachweis der Abschlussarbeit von 1983
Abschlussarbeit: „Marketingkonzeption für die Vermittlung von gebrauchten Investitionsgütern.“ – Rosenheim, 27. Juni 1983, bewertet mit „sehr gut“.

Die Idee funktionierte

Die Resonanz war größer, als ich erwartet hatte. Obwohl ich damals nur deutsche Fachzeitschriften auswertete, kamen Anfragen aus aller Welt.

Doch genau dieser Erfolg wurde zum Problem. Briefe, Anfragen, Karteikarten und die laufende Suche verursachten so viel Arbeit, dass immer weniger Zeit fĂĽr die eigentliche Vermittlung blieb.

Nach dem Studium wurde ich Landesgeschäftsführer des Bundesverbandes der Selbstständigen Rheinland-Pfalz. Dort stand ein IBM-PC, der damals ungefähr 28.000 DM kostete. Ich durfte ihn auch für UNIVERM nutzen. So wurden aus den Karteikarten erstmals zusätzlich Datensätze – aber noch immer ging alles viel zu langsam.

Zwei Firmen kannten sich – und wussten trotzdem nichts voneinander

Einmal brachte ich zwei Unternehmen zusammen: Das eine besaß genau die Maschine, die das andere suchte. Das Erstaunliche: Die beiden kannten sich persönlich. Trotzdem wusste der eine nicht, dass der andere genau die Maschine verkaufen wollte, die er selbst suchte.

Für UNIVERM war das der beste Beweis, dass die Idee gebraucht wurde. Wirtschaftlich war es bitter: Die Unternehmen konnten das Geschäft direkt miteinander abwickeln und mir entging eine Provision von rund 20.000 DM.

Warum also erst heute?

UNIVERM verschwand nie ganz, aber Beruf und andere unternehmerische Aufgaben rückten die Idee lange in den Hintergrund. Später begann ein befreundeter Programmierer eine erste UNIVERM-Webseite zu bauen. Sie wurde jedoch nie wirklich fertig – und ich selbst konnte nicht programmieren.

Heute hat sich etwas Entscheidendes verändert: Ich kann noch immer nicht programmieren. Aber ich muss es auch nicht mehr selbst können.

Mit künstlicher Intelligenz kann ich heute die Abläufe, Regeln und Erfahrungen beschreiben, die sich seit 1983 entwickelt haben. Ich weiß, wie UNIVERM arbeiten soll – und die Technik kann daraus endlich ein funktionierendes System machen.

Irgendwo steht eine Maschine, die nicht mehr gebraucht wird. Irgendwo sucht ein Unternehmen genau diese Maschine. Und möglicherweise wissen beide bis heute nichts voneinander.

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